Wenn die Vergangenheit sich wie Gegenwart anfühlt
Traumatische Erlebnisse gehören der Vergangenheit an.
Und trotzdem kann es sich im Hier und Jetzt manchmal ganz anders anfühlen.
Ein Blick.
Ein bestimmter Tonfall.
Distanz. Nähe.
Eine Situation, die vielleicht nur entfernt an etwas Vergangenes erinnert.
Und plötzlich sind da Gefühle, die viel größer sind als das, was gerade passiert.
Angst. Ohnmacht. Scham. Wut.
Das Gefühl, nicht sicher zu sein. Nicht richtig zu sein. Verlassen zu werden.
Und obwohl wir uns eigentlich im Heute befinden, reagiert etwas in uns, als wären wir wieder im Damals.
Trauma kann die Vergangenheit über die Gegenwart legen wie eine Folie.
Wir sehen, was heute passiert - und gleichzeitig erleben wir es in den Gefühlen von damals.
Heilung bedeutet deshalb nicht, dass die Vergangenheit irgendwann keine Bedeutung mehr hat.
Und auch nicht, dass alte Gefühle nie wieder auftauchen dürfen.
Es geht vielmehr darum, Vergangenheit und Gegenwart wieder voneinander trennen zu können, sodass die Gefühle von damals das Heute nicht mehr vereinnahmen.
Zu spüren:
Das war damals.
Das ist heute.
Damals war ich vielleicht abhängig, ausgeliefert oder allein.
Heute habe ich Möglichkeiten, die ich damals nicht hatte.
Heute kann ich wahrnehmen, was jetzt tatsächlich da ist - anstatt ausschließlich auf das zu reagieren, was einmal war.
Für mich ist auch das ein Teil von Heilung:
wieder so sehr im Heute anzukommen,
dass das Leben, das gerade stattfindet,
auch wirklich erlebt werden kann. 🌱
